Über das DWKM

Die Stadt Kassel zeichnet das Projekt Digitales Wörterbuch der Kasseler Mundart als Offizielles Jubiläumsprojekt 2013 aus

Kassel 1100

Die erste urkundliche Erwähnung Kassels als Chassalla bzw. Chassella findet sich in zwei königlichen Urkunden aus dem Jahr 913. Das Jahr 2013 ist ganz dem 1100. "Geburtstag" der Stadt gewidmet: Neben der großen Festwoche im September mit feierlichem Umzug prägen vor allem die abwechselnden Stadtteilfeste und viele Bürgerprojekte das Jubiläumsjahr. Das Digitale Wörterbuch der Kasseler Mundart ist eines dieser offiziellen Jubiläumsprojekte und wurde von Daniel Stein (Kassel) und Daniel Jettka (Bielefeld), die beide gegenwärtig in Hamburg leben, erstellt. Es ist eine digitale Fassung des Wörterbuchs der Kasseler Mundart von August Grassow, herausgegeben von Paul Heidelbach.

Geschichte des Wörterbuchs der Kasseler Mundart

August Grassow - aus: Grassow: Wörterbuch der Kasseler MundartSeit seinem Tode 1900 wurde hin und wieder in Kasseler Mundartkreisen von einer mysteriösen "Kasseler Grammähre"1 geredet, die der alte Sprachlehrer August Grassow am Ende des 19. Jahrhunderts verfasst haben soll, die jedoch als verschollen galt. Jahre später fiel sie in die Hände des Kasseler Archivars und Bibliothekars Paul Heidelbach. Freilich entpuppte sich das hundertzehn handbeschriebene Seiten starke Manuskript nicht als Grammatik, wohl aber als ein Wörterbuch der Kasseler Mundart. Heidelbach hatte es als Geschenk von Karl Jonas, dem Sohn des Mundartdichter Heinrich Jonas, erhalten.

Besser hätte es die liebevoll angelegte Sammlung von mehr als 3400 Stichwörtern, die der alte Grassow im Laufe seiner Studien zusammengetragen hatte, nicht treffen können: Heidelbach hatte mit seinen Schriften zur Kasseler Kulturgeschichte, mit seinen Kolumnen und vor allem mit seinen mundartlichen Dichtungen einiges an Ruhm in Kassel gesammelt und er verfügte sowohl über die Möglichkeiten als auch über das Wissen, um aus Grassows Manuskript ein gedrucktes Wörterbuch zu erstellen und herauszugeben.

Porträt von Paul Heidelbach - Stadtarchiv Kassel. Signatur 0.512.096, Foto von Carl Eberth, 1935Er erweiterte es um kurze Biographien bedeutender Mundartdichter sowie des Verfassers selbst und um eine Auswahl von Wörtern und ergänzenden Definitionen, die er sorgsam markiert2 in das Werk einfügte. Und dennoch war es ein steiniger Weg von der Idee zur Publikation: Erste Briefe aus dem Jahr 1940 von Heidelbach an den Kasseler Oberbürgermeister zeugen von seinem Versuch, Unterstützung für die Publikation zu erhalten. Doch Krieg und allgemeine Not verhindern das Vorhaben ein ums andere Mal: Erst ist es die Zurückhaltung der Verleger in Kriegszeiten, dann die Unmöglichkeit, 500 Seiten Maschinenpapier im Handel zu erhalten, die ihn aufhält. Es folgt eine schwere Krankheit und immer wieder Vertröstungen der Stadtverantwortlichen. Schließlich vernichtet der Feuersturm vom 22. Oktober 1943 große Teile der Stadt, darunter das im Stadtarchiv liegende, druckfertige Manuskript...

1949 scheint die Publikation nun endlich gesichert, doch Heidelbach schreibt, er glaube erst daran, wenn er die Druckfahne in den Händen halte und mahnt den Empfänger zur Eile mit den Worten:

"Jeder Buchhändler wird bestätigen, dass der Durchschnittskasselaner nur Weihnachten Bücher kauft."3

Ob diese pessimistische Grundhaltung der Nachkriegszeit geschuldet war, lässt Paul Heidelbach offen. Doch in seiner Skepsis bezüglich der Veröffentlichung sollte er leider wieder recht behalten: Es wird nichts mit der Publikation, nicht zu Weihnachten und auch nicht im Jahr darauf.

Es ist Paul Heidelbach hoch anzurechnen, dass er trotz alledem nicht aufgegeben hat und es 1952 tatsächlich mit Unterstützung des Magistrats möglich war, das keine hundert Seite starke Heftchen, von Heidelbach mittlerweile als "Schmerzenskind" bezeichnet, als Band 3 der Reihe "Hessische Heimat" bei der Hessischen Druck- und Verlagsanstalt zu publizieren. In seinem Vorwort schreibt er:

Titelbild von Grassow: Wörterbuch der Kasseler Mundart"Wie wir so manchen verschwundenen Bau Kassels heute nur noch aus Bildern kennen, so möge auch dieses Buch für uns und hoffentlich auch noch für spätere Zeit verschwundenes Kasseler Kulturgut festhalten. Alle diejenigen sind im Irrtum, die in der Kasseler Mundart nur ein Mittel zur Weckung des Humors und zur Einkleidung von mehr oder weniger witzigen Schnurren sehen. Sie birgt mit der Kraft ihrer, wenn auch oft derben Charakteristik, ihrer Fülle von Ausdrucksmitteln, Bildern and Vergleichen unendlich viel altertümliches Sprachgut und weist uns den Weg zur Seele des Volkes.

Und darum sind wir dankbar, daß sich noch zur rechten Zeit in August Grassow ein Kasselaner fand, der es sich zur Lebensaufgabe machte, dieses aussterbende Sprachgut zu sammeln, ehe es zu spät war."

 

Friedrich Herbordt von den Hessischen Nachrichten berichtete zur Veröffentlichung des Wörterbuchs am 14. Juni 1952 mit einem mehrspaltigen Artikel ausführlich über seine Geschichte. Den Artikel "Unze Fullebrickensproche von A bis Z" können Sie hier abrufen: "HA Hessische Allgemeine vom 14.06.1952".

Nur zwei Jahre nach der lange ersehnten Veröffentlichung stirbt Paul Heidelbach am 13. Februar 1954 und wird in Nachrufen als "Vater des geistigen Kassel" gepriesen.

Titelbild von Axel Herwig: Kasselänisch von A bis ZEnde der Siebziger Jahren veröffentlichte das Kasseler Urgestein Alexander (genannt Axel) Herwig im Zuge seines "Fünfjahresplans zur Wiederbelebung der Kasseler Mundart" ein kasselänisches Mundartwörterbuch. Wenn man dem Vorwort des hessischen Kultusministers Hans Krollmann glauben darf, hat er damit das mittlerweile fast 80 Jahre alte "bedeutende Manuskript" Wörterbuch Grassows aktualisiert und dem "heutigen Leser neu eröffnet". Herwigs Wörterbuch erfreute sich großer Beliebtheit und erschien 1977 und 1978 in zwei jeweils erweiterten Auflagen; 2005 wurde diese wiederum von Norbert Rose, Eugen Reppel und Erhard Schmidt überarbeitet und beim Wartberg-Verlag als "Das Kasseler Mundartwörterbuch" wiederaufgelegt.

Das Wörterbuch der Kasseler Mundart von Grassow hingegen ist seit 1952 nicht wieder verlegt worden und ist mittlerweile noch mehr als schon zum Zeitpunkt seiner Entstehung nicht nur ein mundartliches sondern auch ein zeitgeschichtliches Dokument. Dass viele der erwähnten Straßen und Gebäude nicht mehr existieren, ist wohl der verheerenden Bombennacht vom 22. Oktober 1943 geschuldet, die Kassel in Schutt und Asche legte. Aber auch die Zeit hat ihr Übriges getan und vieles von dem, was dem 1825 geborenen Grassow selbstverständlich erschien und das er in sein Wörterbuch eingeflochten hat, wäre ansonsten längst vergessen: Kneipen und Gasthöfe, Spiele und Gedichte, der nach dem Westphälischen Königreich noch starke Einfluss des Französischen auf die Kasseler Lebensart und auch die sogenannten "Straßenpersönlichkeiten" - alles das ist konserviert in Grassows Wörterbuch der Kasseler Mundart.

Wilhelm Lüttebrandt: Die Martkgasse mit GrimmhausSo ist es nicht nur ein historisches Wörterbuch sondern auch ein Buch über die Kasseler Kulturgeschichte, ein Stück des Kasseler kulturellen Gedächtnisses: Schmökern Sie ein wenig, Sie werden sehen, dass das Wörterbuch der Kasseler Mundart ein lebendiges Bild des alten Kassel zeichnet - wir haben uns bemüht, diesen Eindruck durch Einsatz moderner computerlexikographischer Methoden, die wir im Folgenden beschreiben, zu vertiefen. Zum Abschluss sei noch ein Zitat des Hamburger Sprachwissenschaftlers Jürgen Meier, der das Hamburgische Wörterbuch verlegt hat, angeführt:

"Neben den Sprachwissenschaftlern profitieren auch Volkskundler von Mundartwörterbüchern, die wie alle Wörterbücher nicht nur Bücher über Wörter, sondern immer auch Bücher über Sachen sind und die darüber hinaus auf die Beschreibung speziellen Kulturguts viel Fleiß verwenden [...]. Aber nicht nur Wissenschaftler, auch interessierte Laien, Pädagogen, Mundartautoren, ja auch nur diejenigen, die vorübergehend eine Verstehenshilfe suchen, können Mundartwörterbücher [...] zu Rate ziehen."4

1) Heinrich Jonas erwähnt in seinem Vorwort zu den "Fimpf Geschichderchen" zusätzlich eine von Grassow wohl geplante "Gramähre der Ahleneistädtischen Sprooche". Ob aus dieser das "Wörterbuch der Kasseler Mundart" hervorging oder ob es sich tatsächlich um eine eigenständige Grammatik handelte, die vielleicht geplant, vielleicht auch schon geschrieben wurde (und vielleicht noch heute irgendwo unentdeckt ruht) ist unbekannt. (Zurück)

2) Zu seinen Zusätzen schreibt Heidelbach das Folgende: "Alle Bemerkungen in eckiger Klammer, die Biographien sowie die Anmerkungen am Schluß sind Zusätze des Herausgebers." (Zurück)

3) Aus: Stadtarchiv Kassel, Signatur A 4.41 Nr.6, Brief von Paul Heidelbach an "Herr Ebert" am 14.10.(?)1949 (Zurück)

4) Meier, Jürgen: Das Hamburgische Wörterbuch. Geschichte, Konzeption, Nutzen. In: Jahresgabe der Klaus-Groth-Gesellschaft 22 (1980), S. 168-174. (Zurück)

Das Kasseler Wörterbuch, Maschinendurchschlag, etwa von 1943. Signatur:// 2° Ms. Hass. 786[3, Seite 15, Universitätsbibliothek Kassel, Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel.

Paul Heidelbachs Typoskript entdeckt

Bei den Recherchen für das Digitale Wörterbuch der Kasseler Mundart wandelte der Projektleiter Daniel Stein auf den Spuren von Paul Heidelbach. Nach einem Hinweis aus dem Stadtarchiv wurde er im nicht erschlossenen Nachlass Paul Heidelbachs in der Landes- und Murhardschen Bibliothek der Universitätsbibliothek Kassel fündig: In einer unscheinbaren Mappe, die mit "Das Kasseler Wörterbuch" händisch beschriftet ist, liegen zwei Fragmente des hier digitalisierten Wörterbuchs, die zwei unterschiedliche Entwicklungsstufen darstellen:

Die ersten 38 Seiten sind neben dem Vorwort die Buchstaben F-Z als dünner Schreibmaschinen-Durschlag - vermutlich handelt es sich hierbei um den Durchschlag, der Heidelbach nach der Kasseler Bombennacht vom 22. Oktober 1943, in der das druckfertige Manuskript Opfer der Flammen wurde, geblieben war. Er beschreibt in einem Brief an die Stadt die mühsame Arbeit des Abschreibens vom "schwer zu lesenen Durchschlag". Die Seiten sind immer wieder von Heidelbach handschriftlich ergänzt und kommentiert worden.

Die folgenden 74 Seiten beinhalten die Buchstaben L-Z auf leicht nachgebräuntem Maschinenpapier, vermutlich handelt es sich hierbei um die überarbeitete Abschrift.

Abschließend folgen einige handschriftliche Notizen.

Wir danken der Handschriftenabteilung der Landes- und Murhardschen Bibliothek der Universitätsbibliothek und vor allem Frau Dr. Pfeil und Frau Wagener für die schnelle und unkomplizierte Digitalisierung und Publikation im Universitätsrepositorium ORKA:

Das Kasseler Wörterbuch

Signatur: 2° Ms. Hass. 786[3

Universitätsbibliothek Kassel, Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel.

Digitalisierung und Aufbereitung

Um Grassows Wörterbuchs der Kasseler Mundart ins Internet zu bringen, waren einige Arbeitsschritte notwendig, die sich in die Phasen Digitalisierung, Auszeichnung und Aufbereitung einteilen lassen. Diese wollen wir im Folgenden kurz beschreiben:

1. Digitalisierung:

Um aus der Papierfassung eine digitale Fassung zu erstellen, wurde das Wörterbuch zunächst konventionell gescannt und mittels Texterkennung (Onscreen-Character-Recognition, OCR) digitalisiert. Leider macht das OCR-Verfahren vor allem im nichtprofessionellen Bereich zahlreiche Erkennungsfehler. Erschwert wird dies zusätzlich durch Texte, die nicht der allgemeinen Rechtschreibung folgen (wie Texte in Mundart) und die daher nicht durch automatisierte Korrekturverfahren verbessert werden können. Daher musste die Textgrundlage daraufhin manuell nachkorrigiert (= mehrmals gegengelesen und mit dem Buch verglichen) werden. Anschließend hatten wir eine reine Textdatei, in der sich das gesamte Wörterbuch befand. Das reicht jedoch nicht für die Verwendung in einer Suchmaschine. Wenn wir etwas in einem Wörterbuch suchen, schauen wir nur auf den Namen des jeweiligen Eintrags, das Lemma. Die einzelnen Lemmata sind zur schnellen Erschließung alphabetisch sortiert und der entsprechende Artikel ist dann die Definition. In unserer Fassung gab es nun aber keine Trennung zwischen Lemma und Artikel.

Ahle: "minne Ahle": meine Alte, (meine Mutter, oft: meine Frau)

Wenn wir die Suchfunktion der Textverarbeitung verwenden und nach "ahle" suchen, erhalten wir nicht nur den Artikel "ahle" als Ergebnis, sondern alle Artikel, in denen das Wort "ahle" auftaucht. Um dieses Problem zu lösen ist der nächste Arbeitsschritt nötig:

2. Auszeichnung:

Um dem Computer den Unterschied zwischen Lemma und Artikel beizubringen, wird eine Technik namens "Auszeichnungssprache" (Markup-Language) verwendet. Dabei werden Regeln definiert, nach denen bestimmte Elemente im Text von sogenannten Tags umschlossen werden, die dann die Eigenschaften dieses Elements bezeichnen. Die Sprache des Internets, HTML, ist so eine Auszeichnungssprache und das von uns verwendete System namens XML ist sowas wie der große Bruder von HTML. Zur Verdeutlichung: In unserer Textdatei wird das Lemma "ahle" folgendermaßen ausgezeichnet:

<lemma>Ahle</lemma><article>"minne Ahle": meine Alte, (meine Mutter, oft: meine Frau)</article>

Das besondere ist, dass die Auszeichnungssprache nur für den Computer relevant ist, für den menschlichen Leser aber nicht angezeigt wird. Alles, was zwischen den Spitzen Klammern < > steht ist Auszeichnung und wird ausgeblendet. Dafür entwickelten wir extra ein speziell auf das DWKM zugeschnittes XML-Format. Die Auszeichnung erfolgte dann teilweise automatisiert, aber das meiste musste zumindest manuell gegengeprüft werden. Dies liegt daran, dass Grassow und Heidelbach zwar sehr strukturiert gearbeitet haben, aber eben nicht so strukturiert, wie es ein Computer benötigt. Beispielsweise sind Doppelpunkte ein guter Hinweis darauf, dass das Wort davor das jeweilige Lemma ist. Dies ist in mindestens 80% aller Artikel der Fall. Aber erstens sind 20% Artikel ohne Doppelpunkt nach dem Lemma bei mehr als 3000 Lemmata immer noch viel manuelle Arbeit und zweitens gibt es leider, wie man schon am Beispiel "ahle" sieht, auch Doppelpunkte in den Artikeln selbst. Daher war zunächst eine grundlegende strukturelle Auszeichnung nötig: Was sind die Lemmata und von wo bis wo reichen die einzelnen Artikel.
Als dieser Arbeitsschritt beendet war, begannen wir mit der inhaltlichen Auszeichnung. Die Digitalisierung von Wörterbüchern eröffnet neue Wege der Erschließung, d.h. Möglichkeiten, interessante Informationen aus dem Wörterbuch zu finden. Auf Papier kann man lediglich nach einem bestimmten Wort suchen und sich dabei der alphabetischen Sortierung bedienen oder schmökern, d.h. sich dem Zufall anvertrauen. Für das DWKM haben wir uns bemüht, weitere Wege zu eröffnen, vor allem lag uns dabei die semantische Auszeichnung am Herzen, das heißt, eine Auszeichnung anhand der Bedeutung der Lemmata. Das Resultat sind die verschiedenen Kategorien wie Küche, Schimpfwörter oder Zeitgeschichte. Sie verbinden jeweils alle Einträge des Wörterbuchs miteinander, die zu der entsprechenden Kategorie gehören. Dabei ist es unerheblich, ob nun das Wort darin vorkommt oder nicht. So findet man über die Kategorie "Küche" beispielsweise Verben, die essen und trinken umschreiben, Einrichtungsgegenstände und Werkezuge aus der Küche, Zutaten, Gerichte, Sättigungszustände und vieles Weiteres mehr.
Diese Auszeichnung wird ebenfalls über XML vorgenommen und sieht etwa so aus:

<lemma><sem class="Küche">Bidderselche</sem></lemma><article>Petersilie</article>

3. Aufbereitung

Der auf diese Weise aufbereitete Wörterbuchtext ist jetzt bereit, in eine Datenbank (MySQL) überführt zu werden. Dazu wird mit einer XSLT genannten Technologie unser XML in das für die Suchmaschine benötigte Datenformat umgewandelt. Nun kann die Homepage aufgesetzt werden, die mit dem Content-Management-System Contao erstellt worden ist. Ein Add-On ermöglicht die nahtlose Einbindung der Datenbank in die Webseite. Die nächsten Arbeitsschritte bestehen nun aus der Anpassung der Suchtechnologie an die Anforderungen des DWKM. Was kann gefunden werden? Wie sollen die Ergebnisse sortiert werden? Sollen auch hochdeutsche Ausdrücke gefunden werden können? Welche? Wie soll die Anzeige aussehen? Nachdem diese Fragen entschieden wurden, mussten die übrigen losen Enden zusammengefasst, alles noch mal gebügelt und durchgeschaut werden und: Voilà. Das DWKM ist fertig!

Richtig suchen

SuchenDie Digitalisierung von Wörterbüchern eröffnet neue Wege der Erschließung, d.h. Möglichkeiten, interessante Informationen aus dem Wörterbuch zu finden. Auf Papier kann man lediglich nach einem bestimmten Wort suchen und sich dabei der alphabetischen Sortierung bedienen oder schmökern, d.h. sich dem Zufall anvertrauen. Für das DWKM haben wir uns bemüht, weitere Wege zu eröffnen die wir hier vorstellen:

1. Hochdeutsch oder Kasselänisch

Kasselänisch - Hochdeutsch Die Standardeinstellung des DWKM ist kasselänisch, d.h. man kann die Stichwörter suchen. Bei Bedarf kann man aber durch Auswählen der Option "Hochdeutsch" einstellen, dass man nach standardsprachlichen Wörtern sucht, um so erst die kasselänischen Versionen zu finden.

Die Kasselänische Suche untersucht dabei alle (rund) 3400 Lemmata, die hochdeutsche Suche ist nur für einen Teil der Einträge möglich gewesen, da nicht alle Kasseler Wörter hochdeutsche Entsprechungen haben.

2. Autovervollständigen

Automatisches VervollständigenBeginnen Sie einfach zu tippen: Unsere Wörterbuchsuchmaschine beginnt bereits nach drei Buchstaben damit, Ihnen Vorschläge für im Wörterbuch vorhandene Einträge anzuzeigen. Dabei werden Einträge bevorzugt, die mit den Buchstaben, die Sie eingegeben haben, beginnen; anschließend werden jedoch auch Wörter gezeigt, die diese Buchstaben an anderer Stelle beinhalten. Beides ist sehr nützlich für die Suche in einem Dialektwörterbuch, da es keine verbindliche Schreibung gibt und die Suche ohne diese Hilfe ein blindes Stochern nach der richtigen Kombination werden würde. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass nun blindes Stochern auch Spaß macht: Geben Sie ein paar zufällige Buchstaben ein und schauen Sie, wohin das DWKM sie führt!

3. Kategorien

Für 15 Kategorien sind die Stichwörter des DWKM nach ihrer Bedeutung sortiert. Durch einen Klick etwa auf das Zeichen für "Küche" Kategorie Küchekommen Sie zu allen Wörterbucheinträgen, die Küchenutensilien, Lebensmittel, Gefäße und Sättigungszustände beschreiben, ob sie nun das Wort "Küche" enthalten oder nicht. Eine spannende Art, die interessantesten Einträge des DWKM gebündelt zu betrachten!

4. Hyperlinks

HyperlinksWas wäre das Internet ohne Hyperlinks? Auch das DWKM profitiert immens von den Möglichkeiten der Vernetzung. Viele Einträge verfügen über Verweise, die auf andere Lemmata verweisen. In den alten Zeiten war nun Blättern angesagt, heute reicht ein Klick auf das entsprechende Wort. Im DWKM finden sich die folgenden Arten von Hyperlinks:

  • Direkte ("siehe auch" usw.) und indirekte Verweise des Verfassers
  • Verweise auf Paul Heidelbachs Quellen ("Lüttebrandt-1")
  • Wörter in den Belegtexten ("ahle"), die nicht besonders als Verweise markiert sind, sind oft ebenfalls Hyperlinks.
  • Verweise, die der Verfasser nicht eingearbeitet hat, die wir aber nachtragen konnten (in der Regel durch eckige Klammern [] ausgezeichnet).
  • Unter den Artikeln steht ggf. eine Liste der Wörter, die auf den aktuellen Eintrag verweisen ("Backlinks") und die die netzartige Struktur des Wörterbuchs noch besser erkennen lassen.
  • Jeder Eintrag bietet einen Link für den alphabetisch vorhergehenden bzw. nachfolgenden Artikel. Damit wird ein gemütliches Blättern wie durch ein Buch aus Papier ermöglicht.

5. Weiterführende Informationen

Wo es sich angeboten hat, haben wir weiterführende Informationen eingefügt, diese sind über einen Klick auf eines der folgenden Icons verfügbar:

Bild Ein Bild passend zum Artikel
Film Ein Film passend zum Artikel
Info Ein Link auf eine andere Website mit weiterführenden Informationen
Geo

Eine Karte, die den (ungefähren) Standort anzeigt

6. Das ganze Wörterbuch

Gesamtliste des WörterbuchsEs ist auch möglich, sich einfach das gesamte Wörterbuch anzeigen zu lassen. Der entsprechende Link befindet sich in der Seitenleiste unter den Kategorien.

7. Zufallswort

Falls alles nicht hilft: Ein Klick auf dieses Symbol Zufall öffnet einen zufälligen Eintrag.

Das DWKM in den Medien

Der Mundart-Kurier - Mitteilungsblatt der Gesellschaft für Nordhessische Mundarten. Nr. 28 - Dezember 2014: Digitales Wörterbuch der Kasseler Mundart vorgestellt.

AlumNews 21, der Newsletter für Alumni der Universität Kassel von Juni 2014: Kasseler Mundartwörterbuch

Extra Tip vom 12.01.2014: Von Ladderhannesen und Blohsenköppen

HR Online vom 22.12.2013: Digitale Kasseler Mundart - Bibbelhuhn, Schnucken und Kleßebrie

Lokalo24 vom 20.12.2013: Von Ladderhannesen und Blohsenköppen

HNA vom 20.12.2013: Kassel-Platt jetzt digital

HR Kultur vom 19.12.2013: Bibbelhuhn, Schnucken und Kleßebrie

HR Hessenschau vom 18.12.2013: Nordhessisch jetzt auch digital

Extra Tip vom 11.12.2013: Übers Schnuddeln und Mähren

Wirtschaft.com vom 7.12.2013: Linguistiker erstellt Wörterbuch Kasseler Mundart

Pressemitteilung der Stadt Kassel vom 5.12.2013: Digitales Wörterbuch der Kasseler Mundart

Wörterbuchquellen

Das Wörterbuch der Kasseler Mundart wurde von August Grassow gesammelt und zusammengestellt. Für die Veröffentlichung wurde es durch Paul Heidelbach erweitert, indem er wichtige Werke der Kasseler Mundartliteratur und -forschung nach von Grassow abweichenden Schreibungen oder Bedeutungen durchsucht hat. Die Einträge hat er sorgasam mit Klammern markiert. Zusätzlich hat Heidelbach angegeben, von welcher Stelle er die jeweilige Informationen bezogen hat. Auf diese Weise lässt sich nachvollziehen, welcher Autor zu welcher Zeit welche Schreibweise bevorzugt hat und welche unterschiedlichen Bedeutungen die einzelnen Ausdrücke tragen können. Durch die computerlexikographische Bearbeitung des Wörterbuchs ist nun die folgende Liste entstanden, die erstmals die einzelnen Beiträge wieder ihren Quellen zuordnet und somit einen wichtigen Beitrag zur Erschließung des Wörterbuchs leistet:

N.W. = Fritz Hofmann. Niederhessisches Wörterbuch, zusammengestellt auf Grund der Mundart von Oberellenbach, Kreis Rotenburg (Fulda). Marburg 1926.

Azzel, azzelig, Flerre(n), Grutz, Huzzelen, Klowes, knudschen

S. = Saul, D. Ein Beitrag zum Hessischen Idiotikon. Marburg 1901.

Albschoß