Autoren und Dichter

Biographien

  1. August Grassow (1825 - 1900)
  2. Paul Heidelbach (1870 - 1954)
  3. Hartmann Herzog (1833 - 1897)
  4. Gottlob Theuerkauf (1833 - 1911)
  5. Franz Treller (1839 - 1908)
  6. Heinrich Jonas (1840 - 1905)
  7. Wilhelm Bennecke (1843 - 1906)
  8. Christoph Müller (1859 - 1932)
  9. Wilhelm Lüttebrandt (1861 - 1922)
  10. Gustab Weber (1842 - 1917)
  11. Jacob Grimm (1785 - 1863)
  12. Philipp Scheidemann (d.i. Henner Piffendeckel) (1865 - 1939)
  13. Alexander "Axel" Herwig (1909 - 1981)
  14. Timo "Dark Vatter" Israng (1977)

Materialien

  1. Übersicht: Die Serie "Kasseler Deutsch und seine Dichter" aus der HNA (1968-1971)
  2. Chronologie der Verfasser

Biographien

August Grassow (1825 - 1900)

August Grassow - aus: Grassow: Wörterbuch der Kasseler MundartWelcher Anlaß Grassows Vater, Johann Friedrich Grassow, der 1787 als einziger Sohn eines Schneiders zu Döllen Amt Zehdenich in der Uckermark geboren war, nach Hessen führt, ist mir unbekannt. Vermutlich kam er als wandernder Handwerksgeselle dorthin. Jedenfalls war er seit 1808 in Kassel ansässig, wo er sich 1812 mit einer Tochter des Kasseler Bürgers und Schneidermeisters Henrich Hoffmann verheiratete. Jahrelang war er in der Familie des verstorbenen Staatsministers Waitz von Eschen und später beim Österreichischen Gesandten, dem Grafen Spiegel, als Diener tätig. Die Adreßbücher führen ihn als Lohndiener und Schankwirt auf. Wir wissen auch aus den Akten des Stadtarchivs, daß er 1825 die Bierwirtschaft auf dem Peilertschen Felsenkeller am Weinberg inne hatte, diese fortzuführen gedachte und sich im nächsten Jahr um das Kasseler Bürgerrecht bewarb. Dieses wurde ihm nach einer längeren Kontroverse zwischen dem Ministerium Hassenpflug und Oberbürgermeister Schamburg über die Frage, ob ein in dienender Stellung Befindllicher als Bürger aufgenommen werden könne, 1827 bewilligt. Er war damals Vater zweier Töchter und eines Sohnes, eben des am 2. Oktober 1825 geborenen August Grassow. Dieser erlernte das Schriftsetzerhandwerk, war in diesem Beruf einige Jahre in Paris tätig und kehrte dann in seine Vaterstadt zurück. Hier erteilte er neben seinem Schriftsetzerberuf Unterricht in der französischen und englischen Sprache, auch begegnet er uns in der Kasseler Presse wiederholt als Uebersetzer fremdsprachiger Erzählungen. Da zur Erlangung des Bürgerrechts, um das auch er sich 1859 bewarb, der Nachweis eines jährlichen Einkommens von 300 Talern gefordert wurde, er aber als Schriftsetzer bei Trömmer [richtig: Trömner] und Dieterich jährlich nur 260 Taler bezog, wies er nach, daß die Restsumme durch den Ertrag seiner Lehrtätigkeit reichlich gedeckt werde. Als tüchtiger Privatlehrer war er besonders von den Kasseler Schülern so gesucht, daß er bald den ursprünglichen Beruf an den Nagel hing und nur noch als Sprachlehrer wirkte. Schlicht und ruhig floß nun sein Leben dahin. Die ältere Schwester hatte sich mit dem Landschaftsmaler und Zeichenlehrer Adolf Walther verheiratet; er selbst blieb Junggeselle und wohnte nach dem Tod des Vaters mit der Mutter und der gleichfalls unvermählt gebliebenen jüngeren Schwester zusammen. Diese führte ihm, als 1877 auch die Mutter gestorben war, den Haushalt, bis ihn am 27. November 1900 der Tod ereilte. (PH, aus dem Vorwort)

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Paul Heidelbach (1870 - 1954)

Porträt von Paul Heidelbach - Stadtarchiv Kassel. Signatur 0.512.096, Foto von Carl Eberth, 1935Obwohl Paul Heidelbach in Düsseldorf geboren wurde, fühlte er sich, auch aufgrund der Familienabstammung aus Alsfeld stets als "Kernhesse". Nach Kassel kam er nach dem frühen Tod des Vaters, eines Kunstmalers, und besuchte das Friedrichsgymnasium bis zum Abitur (nach dreimaligem Sitzenbleiben). Dieses berechtige ihn nun zum Studium der Philosophie, Geschichte, Germanistik und Literaturwissenschaft in Marburg und Berlin. Er beendete sein Studium ohne Abschluss, um sich seinem Lebenstraum, freier Schriftsteller zu sein, widmen zu können. Dieses Ziel erreichte er durch die Publikation von Gedichten und Novellen, das Verfassen von "Sonntagsbetrachtungen" für die "Hessische Post", die Herausgabe von zwei "Hessischen Jahrbüchern", einer hervorragenden Geschichte der Wilhelmshöhe, den Prachtband "Tausend Jahre Stadtgeschichte" zum tausendjährigen Geburtstag der Stadt Kassel vor genau 100 Jahren und vor allem seinen mundartlichen Schriften, dem 1900 erschienen "Was mäh so hin und widder bassierd äs", "Uf Karle Klamberts Gebortstdag" von 1908 sowie "Allerhand Gauden" (1913). Von 1906 an war er für 23 Jahre als Schriftleiter für die Zeitschrift "Hessenland" verantwortlich, arbeitete dabei hauptberuflich als Stadtarchivar und Bibliothekar an der Murhardschen Bibliothek. 1952 veröffentlichte er August Grassows "Wörterbuch der Kasseler Mundart", das ihm als Manuskript zugetragen wurde. Er starb 1954 hochangesehen und wurde in den Nachrufen als "Vater des geistigen Kassel" geehrt. Seit 1984 verleiht der Zissel in Kassel e.V. die Paul Heidelbach Medaille als höchste Ehrung für Verdienste um die Kasseler Mundart. (DS)

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Hartmann Herzog (1833 - 1897)

Hartmann Herzog - aus: Grassow: Wörterbuch der Kasseler MundartDer erste, der in den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts Gedichte in Kasseler Mundart veröffentlichte, war Hartmann Herzog. Am 10. Oktober 1833 in Kassel als Sohn eines Kupferschmiedemeisters in der Unteren Fuldagasse geboren, bestand er 1848 an der höheren Bürgerschule in der Hedwigstraße, der späteren Realschule, die Reifeprüfung und folgte dann dem Beruf seines früh verstorbenen Vaters. In den Jahren 1852/53 brachte ihn seine Wanderschaft nach Hannover, Schlesien, Thüringen und Hamburg. Heimgekehrt, übernahm er das väterliche Geschäft, das die Mutter bis dahin mit einem Gesellen geführt hatte, in dem vom Vater gekauften Haus Graben 25, das er von frühester Jugend an bewohnte. Er verstarb am 15. August 1897. Herzog war ein geschätzter Meister in seinem Fach und wiederholt Mitglied der städtischen Körperschaften. Die Veröffentlichungen seiner dichterischen mundartlichen Versuche gehen bis in das Jahr 1866 zurück; das "Kasseler Tageblatt" brachte von ihm, wenn auch anonym, kleine prosaische Plaudereien in Kasseler Mundart. Die in dem späteren Sammelband (1933. Seite 6, 14, 17, 22) wiederholten Einzelstücke waren, meist als fliegende Blätter in mehreren Auflagen, um 1875 erschienen. Seine Gedichte, die dann auch andere zu Dialektdichtungen anregten, sind nicht nur sprachlich, sondern auch kulturgeschichtlich wertvoll, so, wenn er uns alte Kasseler Kinderspiele und Kinderreime aus seiner Jugend mitteile, von alten Kasseler Häusern und Leuten erzählt oder auch einmal politische Töne anschlägt. Sind seine Verse metrisch auch nicht immer ganz einwandfrei, so schmälert das in keiner Weise das Verdienst dieses Pioniers der "Fullebrickensproche". (PH)

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Gottlob Theuerkauf (1833 - 1911)

Gottlob Theuerkauf - aus: Grassow: Wörterbuch der Kasseler MundartDer Kunstmaler Professor Gottlob Theuerkauf war ein Altersgenosse und Freund von Herzog. Er wurde am 21. Januar 1833 am Unterneustädter Kirchplatz als Sohn des Schriftsetzers an der Waisenhausbuchdruckerei "Julius Theuerkauf" geboren, besuchte, wie Herzog, die spätere Realschule und dann 1846-1851 die Kasseler Kunstakademie, in der er durch drei Medaillen ausgezeichnet wurde. Er wurde Lithograph und Illustrator für den Holzschnitt, wandte sich 1875 der Aquarellmalerei zu und malte vorwiegend Landschaften in Verbindung mit alter Architektur. Seine Bilder waren geschätzt und in Kassel viel verbreitet. Später wurde er Privatdozent und 1895 Professor der Kgl. Technischen Hochschule zu Charlottenburg. Seinen Lebensabend verbrachte er wieder in seiner Vaterstadt Kassel. Neben zahlreichen Beiträgen für illustrierte Zeitschriften komponierte er Lieder und Orchesterstücke. Theuerkauf war Mitglied der Allgemeinen Kunstgenossenschaft des Verbandes Deutscher Illustratoren sowie Ehrenmitglied des Vereins Berliner Künstler und der Neuen Literarischen Gesellschaft. In seinem 1898 in Kassel anonym (G. T.) erschienenen Bändchen "Uß den Kännerjohren" weiß er gemütvoll und anschaulich aus seiner Kasseler Jugendzeit zu plaudern; er schildert uns das Exerzieren der Soldaten auf dem Kasseler Forst, die großen Paraden, die Übungen der Bürgergarde, eine öffentliche Hinrichtung auf dem kleinen Forst und weiß auch allerlei von Kasseler Originalen zu erzählen. Er starb am 5. März 1911 in Kassel-Wahlershausen, Rolandstraße 10. (PH)

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Franz Treller (1839 - 1908)

Franz Treller - aus: Grassow: Wörterbuch der Kasseler MundartWenige Jahre jünger als Herzog, gehörte auch der am 15. Oktober 1839 am Töpfenmarkt (17) geborene hessische Schriftsteller Franz Treller zu den ersten, die mit mundartlichen Erzählungen hervortraten. Schon früh wandte er sich, vom Hofschauspieler Birnbaum in Kassel vorgebildet, der Bühnenlaufbahn zu; nachdem er den Bühnen zu Oldenburg, Bremen und Königsberg angehört hatte, war er von 1866 an 15 Jahre als Charakterdarsteller, Regisseur, Dramaturg und Stellvertretender Direktor am Deutschen Theater in Riga und, nachdem dieses einer Feuersbrunst zum Opfer gefallen war, noch in Moskau und Wien tätig. Im Jahr 1884 kehrte er nach Kassel zurück, wo er zunächst Hauptschriftleiter der eben gegründeten "Kasseler Allgemeinen Zeitung" war, um dann bis zu seinem Tod als freier Schriftsteller eine rege Tätigkeit zu entfalten. Groß ist die Zahl seiner Werke, namentlich seiner in Hunderttausenden von Bänden verbreiteten Jugendschriften, die bis in die Gegenwart hohe Auflagen erlebten. Seine hessischen Erzählungen, nicht zuletzt seine "Vergessenen Helden" haben das Verdienst, den Sinn für hessische Eigenart und für die große Vergangenheit unseres Stammes in weiten Kreisen geweckt zu haben. Neben einer Reihe von Dramen schrieb er mehrere Volksbühnenfestspiele. Noch heute lebt in Kassel die Erinnnerung an seinen "Philipp den Großmütigen" fort, in dem er selbst die Hauptrolle verkörperte. Starken Erfolg errang der in der Kasseler Altstadt Großgewordene mit seinen unter dem Titel "Was ich me so gedacht hon" erschienenen "Erlebnissen, Erinnerungen und Aufzeichnungen eines alten Kasselaners" (1889. 2. Aufl. 1891, 3. Aufl. 1895). Sie greifen freilich nicht so weit in die Vergangenheit zurück wie die Dichtungen Herzogs, sondern wenden ihren Humor mehr der Gegenwart und ihren Geschehnissen zu. Auch in seinen Erzählungen läßt er seine Personen sich zuweilen der Kasseler Mundart bedienen. Noch kurz vor seinem Tode trat er als eigener eindrucksvoller Interpret seiner Dialekterzählungen vor die Öffentlichkeit. Franz Treller starb am 28. Juni 1908 (Hohenzollernstraße 70). (PH)

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Heinrich Jonas (1840 - 1905)

Heinrich Jonas - aus: Grassow: Wörterbuch der Kasseler MundartWie Grassow, so war auch dessen Freund Heinrich Jonas mit großer Gewissenhaftigkeit bemüht, die Kasseler Mundart so, wie sie ihnen zu Ohren gedrungen war, schriftlich festzulegen. Auch er entstammte der Kasseler Altstadt. Sein Vater, Sohn eines Kasseler Horndrechslermeisters, war Steindrucker und Lithograph. Am 21. März 1840 wurde diesem im Hause Obere Schäfergasse 13 sein Sohn Heinrich geboren, der nach dem frühen Tod des Vaters im Lutherischen Waisenhaus, das sich damals noch in der Obersten Gasse 29 (später Gasthaus "Zum heiligen Geist") befand, erzogen wurde und sich dem Beruf des Vaters zuwandte. Eine Freistelle ermöglichte dem begabten Knaben den Besuch der Kasseler Akademie. Nach der Konfirmation wurde er Lehrling in der in ganz Deutschland bekannten lithographischen Kunstanstalt von Theodor Fischer, der er 40 Jahre hindurch bis zu ihrem Erlöschen als ganz hervorragender Zeichenlithograph angehörte, um dann noch einige Jahre als selbstständiger Lithograph zu wirken. Nach des Tages Arbeit saß er gern an seinem mächtigen Schreibtisch, den er sich aus dem Holz des alten Martinsturmes hatte schnitzen lassen, und schrieb allerlei Erlebtes und Lustiges in Vers und Prosa nieder. Er begnügte sich aber damit, seine dichterischen Erzeugnisse im kleinen Kreis der "Schmetzen" vorzutragen, die ihren Stammtisch in den späteren "Bürgersälen" (Obere Karlstraße) hatte, und es bedurfte jahrelangen Zureden, bis er sich, etwa seit 1878, zu anonymen Veröffentlichungen in der Tagespresse entschloß. So erschien u.a. 1879 in der "Casseler Tagespost" seine köstliche Geschichte von der Säkularfeier des Kasseler Lyzeums (Neudruck 1908). Erst Jahrzehnte später bestimmte ihn das Drängen seiner Freunde, seine "Fimf Geschichderchen vun Kasselänern, die de in d'r Wulle gefärwed sin" (1899. 2. Aufl. 1904. 3. Aufl. 1920) herauszugeben. Erzählungen, die unser Zwerchfell erschüttern und uns gleichzeitig Tränen in die Augen pressen. Sie alle zeigen, ein wie feiner Beobachter und Menschenkenner der Verfasser dieser Geschichten war, sie zeigen aber auch sein Bemühen, die geliebte Mundart in größter Reinheit zum Ausdruck zu bringen. Wie Herzog, so hat auch Jonas wirklich noch in der Mundart gedacht und gelebt. Sein in gebundener Sprache geschriebener und unzählige Male vorgetragener "Gerewwener Bechfist" und das von Johann Lewalter vertonte "O Mensch, dhu Dinne Augen uff", das die schlichte Lebensphilosophie des Verfassers entwickelt, wurden beide im ersten Band meines literarischen Jahrbuchs "Hessische Heimat" (1902) veröffentlicht. Ein größeres mundartliches Gedicht "Pingesten" findet sich im "Hessenland" 1904. Heinrich Jonas starb am Silvesterabend 1905 (Kölnische Straße 15). (PH)

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Wilhelm Bennecke (1843 - 1906)

Wilhelm Bennecke - aus: Grassow: Wörterbuch der Kasseler MundartWenn Wilhelm Bennecke selbst auch nicht mit mundartlichen Dichtungen hervorgetreten ist, so hat er, dessen Lebensfaden sich, von drei in Karlshafen verbrachten Jahren abgesehen, in Kassel abrollte, doch allzeit ein feines Ohr für die Mundart besessen und noch 1904 im zweiten Band von Heßlers "Hessischer Landes- und Volkskunde" wertvolle Studien über die Mundart seiner Vaterstadt veröffentlicht und so willkommene Ergänzungen zu den - ihm wohl unbekannten - Aufzeichnungen Grassows geboten. Im alten ursprünglichen Haus der Künstlerfamilie Ruhl (Oberste Gasse 3) wurde er am 11. Dezember 1846 geboren. Der Großvater, ein früherer preußischer Artillerieoffizier, war in westfälischer Zeit Generaldomäneninspektor in Kassel gewesen und nach dem Sturz Jeromes nach Berlin zurückgekehrt, während der Sohn August in Kassel blieb und in den kurhessischen Militärdienst trat. Als Hauptmann im Regiment Kurfürst nahm er in den Verfassungswirren 1850 mit der Mehrzahl der kurhessischen Offiziere seinen Abschied. Sein Tod (1862) brachte die Familie Bennecke in eine bedrängte Lage. Der junge Wilhelm Bennecke mußte das Gymnasium verlassen, betrieb fleißig Sprachstudien und konnte schon früh durch seine literarischen Arbeiten die Mutter unterstützen. Später wurde er als Karl Presers Nachfolger Sekretär des Kasseler Hoftheaters und lebte seit seiner Pensionierung (1878) als freier Schriftsteller. Seit 1902 war er Schriftleiter der Zeitschrift "Hessenland" und starb am 5. Januar 1906 (Jordanstraße 3). Außer zahlreichen literarischen und kulturhistorischen Aufsätzen schrieb er u.a. einen Band Gedichte, mehrere Romane, eine Reihe von Operntexten und kurz vor seinem Tod ein Werk über das Kasseler Hoftheater. Sein feiner Sinn für Lokalhumor und seine reiche Kenntnis der Lokalgeschichte befähigten ihn, Jahrzehnte hindurch die wöchentlichen "Spaziergänge" des "Kasseler Tageblatt" zu verfassen. (PH)

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Christoph Müller (1859 - 1932)

Christoph Müller - aus: Grassow: Wörterbuch der Kasseler MundartAuch der Baumeister Christoph Müller hat seine Vaterstadt Kassel nur vorübergehend verlassen. In den mehr als sieben Jahrzehnten seines Lebens hat diese mannigfache Veränderungen erfahren, er selbst, der aufrechte Mann, blieb derselbe. Am 7. September 1859 wurde er am Töpfenmarkt in der Schwarzen Michelsgasse geboren, wo sein Vater, ein Maurer und Steinhauer, das Häuschen Nummer 15 besaß und die Mutter einen kleinen Holz- und Kohlenhandel betrieb: Hier, wo die Mundart noch zum täglichen Brot gehörte, hat er die Freuden und Leiden eines Kasselaner Jungen ausgiebig genossen. Er besuchte die Bürgerschule und sollte, wie Vater und Großvater, Steinmetz werden. So kam er zu Meister Potente [Vater von Georg Potente?] in die Lehre, dem er beim Bau der Bildergalerie helfen durfte, zu einer Zeit wo noch unter den Steinhauern nach des Handwerks Brauch und Gewohnheit als letzter Rest der alten Bauhütte das Budenrecht gehalten wurde. Es zeugt von dem starken Bildungsdrang des Lehrlings, der sich im "Olymp" des alten Theaters am Opernplatz für 2½ Silbergroschen an Goethe und Schiller begeisterte, daß er mit dem späteren Bildhauer Emanuel Ziehe, dem wir übrigens ein mundartliches Gedicht von drastischer Komik, "D's Schlachdefest" verdanken, dem späteren Schriftsteller Hans Eisenträger und dem nachmaligen Düsseldorfer Radierer und Schwalmmaler Heinrich Otto auf dessen Dachstube in der Entengasse mit verteilten Rollen "Faust" und anderes las. Auf der Kasseler Akademie war ihm Professor von Dehn-Rothfelser ein tüchtiger Lehrer, beim Bildhauer Brandt lernte er formen und gießen. Mit 16 ½ Jahren machte er sein Gesellenstück, dann ging er nach altem Brauch über Münster und Augsburg auf Wanderschaft und ließ sich später als Maurermeister in seiner Vaterstadt nieder. Müller war Gründer und Vorsitzender der Kasseler Bauvereinigung, Obermeister der Maurer- und Steinhauerinnung, Kuratoriumsmitglied der Höheren Technischen Staatslehranstalt für Hoch- und Tiefbau und der Kunstgewerbeschule sowie langjähriger Delegierter der Berufsgenossenschaft. Seit 1898 hatte er in den städtischen Körperschaften als Stadtverordneter und später als Stadtrat nach bestem Wissen die Interessen seiner Mitbürger vertreten; auch war er Vorsitzender des Kasseler Männergesangvereins und eines der ältesten Mitglieder der Künstlergesellschaft "Pvunzel". Es ist mir heute noch eine Freude, daß es mir mit großer Mühe gelang, ihn vor fast drei Jahrzehnten zu mundartlichen Aufzeichnungen seiner Jugenderinnerungen zu bewegen, die ich dann 1925/26 im "Hessenland" veröffentlichen konnte. Hier lesen wir, was er als kleiner Knohz in der Spielschule vor dem Leipziger und Wesertor erlebte, wie er vor Eintritt in die Bürgerschule noch im "Barfießlergimnasium" in einem Hinterhaus der Schäfergasse gewirkt und was für Streiche er als Schuljunge und Lehrling ausgeführt hat. Diese Schilderungen gehören zum Waschechtesten, was die Kasseler Mundartliteratur aufzuweisen hat. Christoph Müller starb am 8. Dezember 1932 im Hause Wörthstraße 3. (PH)

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Wilhelm Lüttebrandt (1861 - 1922)

Wilhelm Lüttebrandt - aus: Grassow: Wörterbuch der Kasseler MundartAuch Wilhelm Lüttebrandt ist einer der besten Vertreter der Kasseler Mundart, die ihm von Kindheit an vertraut war. Sie war ihm besonders auch in dem später von seinen Eltern mitbewohnten Haus Untere Karlsstraße 14 nahe getreten, wo der Großvater Gustav Lüttebrandt ein vielbesuchtes Kaffeehaus betrieb. Geboren wurde Wilhelm Lüttebrandt am 8. März 1861 im Hause Steinweg 8 als Sohn des Kunstmalers und Zeichenlehrers Wilhelm Lüttebrand, eines Schülers von Knorr [richtig: Schnorr] von Carolsfeld. Wie Herzog und Theuerkauf war auch der junge Lüttebrandt Schüler der Realschule in der Hedwigstraße. Nach dem Besuch des Lehrerseminars in Hornberg trat er 1887 in den Volksschuldienst der Stadt Kassel, wurde zum Besuch der Kunstgewerbeschule beurlaubt, bestand 1888 in Breslau die Zeichenlehrerprüfung, wurde 1905 mit der Einführung des neuzeitlichen Zeichenunterrichts in den Kasseler Volksschulen beauftragt und im folgenden Jahr zum Inspektor des städtischen Zeichenunterrichts ernannt. Daneben übernahm er am Zeichenlehrerseminar der Kunstgewerbeschule den Unterricht in Methodik und war auch Mitglied der Prüfungskommission. Herzleidend kehrte er aus dem Weltkrieg,zu dem sich der 53jährige als Kriegsfreiwilliger gemeldet und an dem er als Sanitätshundführer in Flandern teilgenommen hatte, zurück und übernahm wieder sein Amt, erlag aber schon am 19. Januar 1922 seinem schweren Herzleiden (Wilhelmshöher Allee 276). Als kerniger Hesse erfreute sich Lüttebrandt in weiten Kreisen großer Wertschätzung. Seinen "Gasgenaden un Schmaguggen" (1917. 2. Aufl. 1918) folgte 1919 ein weiterer Band "Mä honn's, mä kunns". Beide Bände geben in Vers und Prosa ein getreues Bild der Zeit und sind voll echten Humors. In einem besonderen Kapitel "Unse Mundart" hat er in launiger und aufschlußreicher Weise eine Lanze für die verschrieene Kasseler Mundart eingelegt. Ihm war der Dialekt zu gut, um - wie manche Epigonen - "ähre Witzerchen dermidde ze parfimieren". Das hat er durch seine Schriften bewiesen. (PH)

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Gustav Weber (1842 - 1917)

Gustav Weber - aus: Grassow: Wörterbuch der Kasseler MundartKurz vor dem Druck dieser Arbeit bin ich in der Lage, noch einen weiteren Kasseler Mundartdichter hier anzufügen. Das "Kasseler Tageblatt" brachte in seiner Nummer vom 28. September 1913 als "Erinnerungen eines ahlen Kasseläners" das Singelied "Als Kassel noch en kleines Nest" nach der Melodie des kreuzfidelen Kupferschmieds. Das Lied stammt spätestens aus den 1880 Jahren. Meine Bemühungen, den Verfasser zu ermitteln, blieben lange erfolglos; erst als ich zu diesem Zweck das Lied veröffentlichte, erfuhr ich den Namen des Dichters und kurz darauf teilte mir auch Herr Oberstleutnant a. D. Rudolf Hoerdemann mit, daß es sich um seinen Großvater handle. Es war dies der am 14. Juni 1842 zu Lauban in Schlesien als Sohn eines früh verstorbenen Zimmermeisters geborene Holzbildhauer Gustav Weber, den seine Wanderschaft nach längerem Aufenthalt in Bad Pyrmont und Hann. Münden Ende der 1860er Jahre nach Kassel führte, wo er sich zu Anfang der 1870er Jahre verheiratete. Dieser glücklichen Ehe entstammte eine Tochter, Frau Marie Hoerdemann, die noch heute hochbetagt in Kassel lebt. Weber wurde schon bald ein waschechter Kasselaner und als Mitglied der 1861 gegründeten Kasseler Turngemeinde - er war Präsident des Colomus-Rates des Vereins - mit weiten Kreisen bekannt. Neben seiner Tätigkeit als Holzbildhauer war er Teilhaber der Firma Gundermann und Weber. Ganz Kassel schätzte ihn damals als trefflichen Stegreifdichter, als der er sich besonders bei den starkbesuchten Colomus-Veranstaltungen im Stadtpark betätigte. Es war ihm Bedürfnis, vor allem die Kasseler Ereignisse in sinnfälliger und taktvoller Form in Versen zu glossieren; manche bekannte Kasseler Redensart, wie etwa die in seiner Geschichte von der Linsensuppe vorkommende: "d's Male dahd en Gahk" sind auf ihn zurückzuführen. Die von ihm verfaßten Lieder wurden von Musikdirektor Albin Müller, der 1867-94 Leiter des Musikchors der 83er und gleichfalls ein Verwandter der Familie Hoerdemann war, vertont. Weber starb in Kassel am 28. September 1917 (Holländische Straße 68). Sein bekanntestes Lied, dessen Beliebtheit auch dadurch belegt ist, daß es im Lauf der Zeit von andern durch zahlreiche Strophen vermehrt wurde, lautet: Als Kassel noch en kleines Nest. (PH)

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Jacob Grimm (1785 - 1863)

Jacob Grimm - Franz Hanfstaengl [Public domain], via Wikimedia Commons

Jacob Grimm wurde zwar in Hanau geboren und starb in Berlin, verbrachte jedoch gemeinsam mit seinem Bruder Wilhelm die "ruhigste, arbeitsamste und vielleicht auch die fruchtbarste Zeit“ (Selbstbiographie 1830) seines Lebens in Kassel. Vor allem sammelten die Brüder Grimm die weltberühmten "Kinder- und Hausmärchen" in Kassel. Die Kasseler Handexemplare der Grimmschen Märchen wurden 2006 auf Antrag der Brüder Grimm-Gesellschaft als Weltdokumentenerbe der UNESCO ausgezeichnet und lassen sich im Kasseler Brüder Grimm-Museum bewundern.

Die Brüder Grimm wuchsen in Steinau an der Straße im heutigen Brüder Grimm-Haus auf, wurden jedoch nach dem frühen Tod des Vaters, dem das Haus als Amtmann nur geliehen war, von der Mutter zur "Tante Zimmer" (d.i. Henriette Philippine; Schwester der Mutter) nach Kassel geschickt. Nach der Schulzeit am Lyceum Fridericianum studierten sie gemeinsam in Marburg die Rechtswissenschaften. Dort stießen sie über ihren Lehrer Friedrich Carl von Savigny auf den Heidelberger Kreis der Romantiker und die Beschäftigung mit der Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, die sie auch als Reaktion auf die französische Fremdherrschaft interessierte. Jacob Grimm, der, im Gegensatz zum eher literaturwissenschaftlich interessierten Wilhelm, sein Hauptaugenmerk auf die Sprachwissenschaft legte, beschäftigte sich auch mit den nordhessischen Mundarten. Vor allem interessant ist seine Übertragung der Bibel-Gleichnisse vom Sähmann und vom verlorenen Sohn in den Kasseler Dialekt. Der Sprachwissenschaftler Johann Gottlieb Radlof wandte sich 1816 in einem Brief an Grimm und bat ihn um die Übersetzung der Gleichnisse in die Mundart, da er an einem Band zur Erfassung der Eigenheiten der Deutschen Dialekte arbeite, der 1817 erschien. Er hört auf den etwas ungelenken Namen "Die Sprachen der Germanen in ihren sämmtlichen Mundarten dargestellt und erläutert durch die Gleichniss Reden vom Säemanne und dem verlorenen Sohne, samt einer kurzen Geschichte des Namens der Teütschen".

Nachdem Jacob Grimm, der als Bibliothekar am Museum Fridericianum arbeitete, eine Beförderung aufgrund einer Antipathie des Kurfürsten Wilhelm II. verwehrt blieb, folgte er 1830 dem Ruf der Universität Göttingen. Neben der Wissenschaft begann er sich auch der Politik zu widmen, er war unter anderem Abgeordneter im ersten Parlament der Frankfurter Paulskirche. Jacob Grimm blieb in Göttingen, bis er 1837 als Teil der "Göttinger Sieben" Protest gegen die einseitige Aufhebung der Hannoverschen Verfassung durch König Ernst August v. Hannover einlegte und des Landes verwiesen wurde. In Berlin, der letzten Station in seinem Leben, wohnte er wieder Tür an Tür mit seinem Bruder Wilhelm und arbeitete am Mammutprojekt des Deutschen Wörterbuchs, das er nur bis zum Buchstaben F (genauer bis zum Lemma „Frucht“) bearbeiten konnte. (DS)

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Philipp Scheidemann (1865 - 1939)

Philipp Scheidemann - Bundesarchiv, Bild 146-1979-122-29A / CC-BY-SA, via Wikimedia CommonsPhilipp Scheidemann, einer der berühmtesten Söhne der Stadt Kassel, hatte unter dem Namen Henner Piffendeckel einige lesenswerte mundartliche Geschichten im Band "Casseläner Jungen - Mundartliche Geschichderchen" (1910) veröffentlicht. Der Sohn eines Tapezierer- und Polstermeisters machte nach dem Besuch der höheren Bürgerschule in Kassel eine Ausbildung zum Schriftsetzer und tritt 1883 in die zu dieser Zeit noch verbotene SPD und die Gewerkschaft ein. Nach zwei kurzen Jahren als Schriftsetzer beginnt er, erst als Autor verschiedener Zeitungen und dann als Abgeordneter im Reichstag sowie zeitweilig als Kasseler Stadtverordneter, politisch zu arbeiten. 1913, nach dem Tod August Bebels, übernimmt er gemeinsam mit Hugo Haase den Fraktionsvorsitz der SPD im Reichstag. Nach dem ersten Weltkrieg veröffentlicht er 1920 den Band "Zwischen den Gefechten" unter richtigem Namen, der auch einige mundartliche Texte enthält. Größte Bekanntheit bis heute erhält er für seine Rolle bei der Ausrufung der Republik, nachdem Kaiser Wilhelm II. am 9. November 1918 abgedankt hatte. Er ist 1919 für einige Monate der erste Reichskanzler der Weimarer Republik, tritt jedoch aufgrund der für ihn nicht akzeptablen Bedingungen des Versailler Friedensvertrages zurück. Von 1920-1925 ist er Oberbürgermeister von Kassel, wobei er 1922 fast einem Blausäureattentat im Bergpark Wilhelmshöhe zum Opfer fällt. 1933 emigriert Scheidemann über verschiedene Stationen nach Dänemark, wo er 1939 stirbt. Seine Urne wird 1954 auf dem Kasseler Hauptfriedhof beigesetzt. Philipp Scheidemann ist in Kassel sogar mit zwei Plätzen geehrt: Dem Philipp Scheidemann-Platz am oberen Ende der Treppenstraße und dem Henner Piffendeckel-Platz an der Holländischen Straße.

In seinen "Memoiren eines Sozialdemokraten" schreibt Scheidemann zu seinen mundartlichen Dichtungen:

Als ich 1905 im Alter von 40 Jahren, nach nahezu zwanzigjähriger Abwesenheit, in meine Heimat zurückkehrte, um die Redaktion des Kasseler Volksblattes zu übernehmen, begann ich sofort Erinnerungen aus meiner Kindheit zu schreiben und zwar in so waschechter Kasseler Mundart, als hätte ich nicht zwanzig Tage lang der Heimat den Rücken kehren müssen. Von diesen mundartlichen Skizzen sind viele in kleinen Schriften gesammelt und zu Tausenden verkauft worden. Mit ihnen, die ich wirklich aus dem Ärmel geschüttelt hatte, und die ledichlich die üblichen Sonntagsplaudereien ersetzen sollten, befaßte sich bald, wie ich zu meinem Schrecken vernahm, der Verein für hessische Geschichte und Landeskunde sehr ernsthaft, vornehmlich deshalb, weil offenbar zum ersten Male der Versuch gemacht worden war, die Kasseler Mundart einheitlich zu schreiben. Dabei war mir der erlernte Beruf sehr zustatten gekommen. Ich schrieb nach phonetischen Grundsätzen, nämlich genau so, wie der echte Kasselaner wirklich sprach.

(DS)

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Alexander "Axel" Herwig (1909 - 1981)

Axel Herwig - aus: Der Mundart-Kurier 4, 2005. Foto: Norbert Rose, mit freundlicher Genehmigung der Gesellschaft für Nordhessische MundartenAlexander Herwig, der gemeinhin als Axel bekannt war und auch unter diesem Namen publizierte, wurde am 29. Dezember 1909 in Kassel geboren, wo "seine Urgroßväter in der Mitte des vorigen Jahrhunderts bereits das Kasseler Bürgerrecht erwarben und er sich somit einen waschechten Kasseläner nennen darf". Nachdem er 1933 in Berlin die Reifeprüfung ablegte und an der Pädagogischen Akademie in Kassel studierte, wurde er zwar 1932 Lehrer, 1933 jedoch aufgrund seines vormaligen Engagements als Vorsitzender der Studentenschaft und "kritischer Äußerungen" entlassen. In der Folge absolvierte er nebenberuflich eine Ausbildung für Gesang und Schauspiel. Er arbeitete tagsüber als Gehilfe in einer Buchhandlung (bis 1939) bzw. als kaufmännischer Angestellter bei Henschel & Sohn und nachts als Musiker, Sänger und Schauspieler.

Nach dem Krieg schrieb er Bühnenstücke und Festspiele und arbeitete als Schauspieler und Regisseur in verschiedenen Gemeinden von Waldeck bis Trendelburg, bis er, nach dem Ablegen des 2. Staatsexamens (1958), wieder als "Dorfschulmeister" an der Dorothea Viehmann-Schule nach Kassel zurückkehrte. 1975, ein Jahr vor seiner Pensionierung, gründete Herwig mit Eugen Kratzer, Fritz Faasch und Anni Keye das Kasseler "Schnuddelquartett", das am 6. April den ersten Mundart-Frühschoppen "Schobben ung Kännchen" veranstaltete und der ab jetzt an jedem 1. Sonntag im Monat von 10 bis 12 Uhr stattfand. Die Treffen fanden in der alten Niederzwehrener Schule in der Knorrstraße 6 statt, dieses Haus half Herwig 1969 durch die Gründung der "Jungen Bühne Niederzwehren" vor dem geplanten Abriss zu retten. 1977 begann Axel Herwig mit seinem "Fünfjahresplan zur Wiederbelebung der Kasseler Mundart", im Rahmen dessen er häufig in Funk und Fernsehen des Hessischen Rundfunks auftrat, unter anderem mit seiner 1978 erschienenen Schallplatte "Hale moh mim Feddenbrod. Geschnuddeltes und geschallertes" mit Liedern, Gedichten und Anekdoten. Vor allem aber erschienen mit Unterstützung der Stadtsparkasse Kassel die folgenden Bücher:

  1. Kasselänisch von A bis Z. Ein Wörterbuch der Kasseler Mundart. (1977)
  2. Griene Soße. Kasseler Mundart Reimereien. (1978)
  3. Geschimbed is norr lange nidd geschlohn. Kasselänisches Schimpfwörterbuch. (1979)
  4. Mäh schallern einen. Ein Liederbuch für Kasseler, Kasselaner und Kasseläner. (1980)

Der für 1981 geplante fünfte Band, ein Kasseler Kochbuch, angekündigt als "Derheime schmegged's am beßden" bzw. "Forz mid Brieh", konnte aufgrund des Todes von Axel Herwig am 1. April 1980 nicht vollendet werden. Kurz zuvor gründete er noch den "Axel-Herwig-Fonds zur Förderung der Kasseler Mundart".

1978 wurde Axel Herwig von Oberbürgermeister Hans Eichel mit der Stadtmedaille der Stadt Kassel ausgezeichnet, 1979 wurde ihm der Landesehrenbrief durch Ministerpräsident Holger Börner verliehen. 1981 wurde in Niederzwehren der Axel Herwig-Weg eingeweiht.

Seit 2000 verleiht die Gesellschaft für Nordhessische Mundarten auf dem jährlichen Mundarttag den Axel-Herwig-Preis. (DS)

ZVAB nach Werken von Axel Herwig durchsuchen.
(Link zu ZVAB)

Timo "Dark Vatter" Israng (1975)

Timo Israng, mit freundlicher Genehmigung von Timo Israng

2010 schrieb Timo Israng an den Mundartkurier der Gesellschaft für Nordhessische Mundarten, dass er mit ein paar Freunden eine CD namens "Kasseläner Boogie" mit Rock n' Roll und Countrymusik in Kasseläner Mundart mache. Er konnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen, dass sich "Dark Vatter un sinne Combo" zu einem nordhessischen Phänomen mit einer ständig wachsenden Fangemeinde entwickeln würden. Bald wurde aus dem Musikprojekt eine Band, eine zweite CD ("Unnerwäjens", 2012) und eine Single ("Heim nach Kassel", 2013) kam auf den Markt und längst sind Dark Vatter auf allen Bühnen der Stadt präsent mit ihrem "Gaageschnuddenroggenroll".

Israng macht in der Pfeffermühle eine Ausbildung zum Koch, studierte danach E-Gitarre in Köln und ist schon seit Jahren Berufsmusiker. Er ist Mitbetreiber der Musikschule Klangwerk in Kirchditmold und war bis 2012 Schlagzeuger der Band The Montesas, mit der er in ganz Europa Auftritte absolvierte.

Als Dark Vatter spielt er "eleggdrijje Gitarre un Schlaachwergg" und sorgt für das entsprechende "Geschaller" mit seiner markanten Stimme. Israngs Texte sind charmant und oft witzig, allem voran aber verstehen sie es, die Kasseläner Mundart rauh und verwegen - jedoch keinesfalls altbacken - wirken zu lassen.

Bei den Coverstücken bedienen sich Dark Vatter bei Kasseläner Klassikern wie René Olfens "Grüß mir die Heimat mit dem Herkules" und Axel Herwigs "Nu schiggeds awer bahle", aber auch bei Countrylegenden wie Johnny Cash und modernen Stücken wie Miss Lis "Oh Boy".

Timo "Dark Vatter" Israng lebt mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern in Süsterfeld. Sinne Combo besteht aus Kusseng Judy ("Gegaage un Agussdijje Gitarre"), Kusseng Olli ("Hunnehiddenbass") und Ninne Soleil ("Gedräller un scharmandes Uffdrähden"). Kontakt und Neuigkeiten gibt es auf der Facebookseite von Dark Vatter. (DS)

CDs von Dark Vatter und anderen kasseler Musikern gibts im Nordhessischen Buchlädchen.

Materialien

Kasseler Deutsch und seine Dichter

1968-1971 veröffentliche Wolfgang Hermsdorff in der HNA (damals Hessische Allgemeine HA) eine lose Serie mit dem Titel "Kasseler Deutsch und seine Dichter" die in 35 Ausgaben erschien. Wir freuen uns über die Genehmigung, diese Artikelserie hier veröffentlichen zu dürfen:

  1. 23.10.1968 "Bildunge un ne feine Rede" - W. Lüttebrandt wettert gegen "Ladderhänse" und "Dagediewe"
  2. 01.11.1968 Geliebtes Kraachenknöbbchen - Henschelaner Karl Sommer ein wahrer Volkspoet
  3. 08.11.1968 Piffendeckels "Jungen" - Vom Drucker zum Reichsministerpräsidenten: Scheidemann
  4. 18.11.1968 Heimatliebe und Wanderlust - Echtheit der Sprache zeichnet Fladungs Mundartverse aus
  5. 27.11.1968 "Vater des geistigen Kassel" - Mundartdichtung Teil vom Gesamtwerk Paul Heidelbachs
  6. 14.12.1968 Ein glänzender Stegreifpoet - Gustav Weber war als Colomus-Präsident stadtbekannt
  7. 24.12.1968 En iwwerglickliches Pärchen - Aus einer Weihnachtsgeschichte von Gustav Wentzell
  8. 31.12.1968 "De Fülle äss zu!" - Aus den Erinnerungen des Kunstmalers G. Theuerkauf
  9. 11.01.1969 "Unnen in d'r Fliegengasse" - Sprache und Stoff bei Heinrich Jonas untrennbar verbunden
  10. 31.01.1969 Schmidts "Windbiedeleien" - Intendant des 'Wehlheider Hoftheaters' und 'Zisselvadder'
  11. 14.02.1969 In ganz Deutschland gelesen - Franz Treller: Mime - Redakteur - Autor - Mundartpoet
  12. 26.02.1969 Beim Bau der "Billergallerie" - Erinnerungen eines Handwerksmeisters in heimischer Art
  13. 14.03.1969 Wörterbuch besonderer Art - Schriftsetzer August Grassow als Mundart-Sammler
  14. 09.04.1969 "Kassel wie es lebt und lacht" - Ein junger Gelegenheitspoet: Walter Schützenmeister
  15. 14.05.1969 In Freid, Leid un Ewwermut - Mit Hartmann Herzog erschien die Mundart gedruckt
  16. 04.06.1969 Ein echter Zwehrener Junge - Henner Vogel: Schon früh den Alten auf den Mund geschaut
  17. 26.06.1969 "Us frieh'ren Zieden" - O. Angersbach erzählt "Funkelnagelneie Geschichderchen"
  18. 26.07.1969 Der Schang vom Pääremarkt - Vielseitiger Poet und Vortragskünstler: Eugen Kratzer
  19. 18.09.1969 Kirchditmold zeitlebens treu - Ernst Reuse - Verfasser von Festspielen und Lyrik
  20. 15.10.1969 Allerhand vom Fulleschdrand - Konrad Berndts Werke mehr als bloß "Friggedellen"
  21. 31.10.1969 Der Schöpfer der "Klassik" - Vielseitig und der Mundart besonders zugetan: H. Römhild
  22. 03.12.1969 "Weggewerk und Wurschdebrieh" - Konrad Berndt nimmt Inhalt der 'Aggdendasche' aufs Korn
  23. 24.12.1969 Musikalität und frohe Verse - Fruchtbare Dichterfreundschaft Willi Siebers/Karl Sommer
  24. 27.01.1970 Karl Sommer wird 85 - Vater des "Kraachenknöbbchens" - ein Stück Kassel
  25. 04.03.1970 Heimweh nach Kassel - Liebe zum Verseschmieden spät entdeckt: Walter Muscat
  26. 26.03.1970 "Knädebiedels" Sohn - Mit dem OB die Schulbank gedrückt: Fritz Nippoldt
  27. 14.05.1970 Alma Dippels "Knohze" - Weitgereiste Kasselänerin ließ sich in Olberode nieder
  28. 15.06.1970 Henner uß'n Dörfchen - Joh. Heinrich Kranz - Schwälmer und Kasseläner zugleich
  29. 12.09.1970 Ein wahrer Volkssänger - Christel Wieddekind brachte überall Stimmung und Frohsinn
  30. 24.10.1970 Duckefedds "Erlkeenig" - Hermann Elsebach und seine Balladen-Parodie
  31. 13.01.1971 "Altstädter Bierreise" - Alfred Nippoldt alias Fritze Knädebiedel
  32. 25.02.1971 "Der Besuch der Wase" - Heinrich Müldner - ein Zwehrener seit Generationen (fälschlicherweise auch als Nr. 31 bezeichnet)
  33. 10.04.1971 "Mä sin Halershieser" - Fritz Heckmann - mit der Heimat für alle Zeit verwachsen
  34. 16.06.1971 Ziddgemäße Bedrachtugen - Casselaner Schorsche - ein noch unbekannter Autor
  35. 14.07.1971 Weckewerk mit Quellkatuffeln - Mann aus dem Rathaus als Mundartpoet: Paul Nagel

Verfasser-Chronologie

(Aus: Bibliographie der selbstständigen Veröffentlichungen in Kasseler Mundart von Holger Hamecher, Stand: 1996)

1825-10-02 Grassow, Johann August

* 2. Okt. 1825 in Kassel

† 27. Nov. 1900 in Kassel

1833-01-21 Theuerkauf, Christian Gottlob Heinrich

* 21. Jan. 1833 in Kassel

† 5. März 1911 in Kassel

1833-10-10 Herzog, Hartmann Philipp Wilhelm

* 11. Okt. 1833 in Kassel

† 15. Aug. 1897 in Kassel

1839-10-15 Treller, Franz Eduard

* 15. Okt. 1839 in Kassel

† 28. Juni 1908 in Kassel

1840-03-21 Jonas, Johann Heinrich

* 21. März 1840 in Kassel

† 31. Dez. 1905 in Kassel

1856-02-26 Wentzell, Johann Gustav

* 26. Feb. 1856 in Kassel

† 5. Mai 1946 in Ehrsten (seit 1972 zu Calden)

1861-03-08 Luettebrandt, Johann George Justus Wilhelm

* 8. März 1861 in Kassel

† 19. Jan. 1922 in Kassel

1865-07-26 Scheidemann, Philipp Heinrich

* 26. Juli 1865 in Kassel

† 29. Nov. 1939 in Kopenhagen

Trauerfeier 21. Nov. 1954 in Kassel, Urnenbeisetzung 18. Dez. 1954 in Kassel

1867 08 30 Fisher, Theodor Gideon Paul

* 30. Aug. 1867 in Kassel

† 11. Juli 1939 in Berlin-Spandau

1869-08-28 Angersbach, Oswald Karl Valentin

* 28. Aug. 1869 in Kassel

† 26. Sept. 1939 in Kassel

1870-02-28 Heidelbach, Johann Paul Julius

* 28. Feb. 1870 in Düsseldorf

† 13. Feb. 1954 in Kassel

1872-01-07 Latwesen, August Arnold

* 18. Jan. 1870 in Kassel

† 3. Okt. 1951 in Kassel

1872-12-27 Berndt, Karl Heinrich Konrad

* 27. Dez. 1872 in Kassel

† 31. Dez. 1935 in Kassel

1881-01-10 Euler, Johann Wilhelm

* 10. Jan. 1881 in Dennhausen (seit 1. Juli 1967 mit Dittershausen zu Fuldabrück)

† 6. Jan. 1944 in Göttingen

1881-08-26 Nippoldt, Johann Alfred

* 26. Aug. 1881 in Kassel

† 1. Juni 1955 in Hann. Münden

1883-01-05 Hilker, Hermann

* 15. Jan. 1883 in Sillium / Kr. Marienburg / Ostpreußen

† 11. Nov. 1942 in Kassel

1883-12-16 Elsebach, Hermann Theodor

* 16. Dez. 1883 in Kassel

† 24. Mai 1933 in Nordhausen

1885-01-27 Soemmer, Karl Otto

* 27. Jan. 1885 in Kassel

† 13. Jan. 1974 in Kassel

1889-10-09 Schmidt, Wilhelm Konrad Rudolf Theodor

* 9. Okt. 1889 in Kassel

† 15. Okt. 1962 in Kassel

1899-09-13 Siebers, Georg Wilhelm Eduard

* 13. Sept. 1899 in Melsungen

† 25. Nov. 1986 in Kassel

1903-04-16 Helbing, Heinrich Otto Erich

* 16. April 1903 in Kassel

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1905-03-09 Ramdohr, Hermann

* 9. März 1905 in Sandersleben

† 9. April 1991 in Kassel

1909-08-24 Nippoldt, Fritz

* 24. Aug. 1909 in Kassel

† 8. April 1987 in Kassel

1909-12-29 Herwig, Alexander

* 29. Dez. 1909 in Kassel

† 1. April 1980 in Kassel

1910-09-11 Branner, Karl Heinrich

* 11. Sept. 1910 in Kassel

† 17. Okt. 1997 in Kassel

1911-02-03 Leineweber, Karl Josef

* 3. Feb. 1911 in Steinbach / Kreis Heiligenstadt (lebt Juni 95 in Kassel)

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1914-05-14 Keye, Anni Elisabeth (geb. Antrecht)

* 14. Mai 1914 in Kassel (lebt Juni 95 in Kassel)

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1915-10-20 Witten, Georg Walter

* 20. Okt. 1915 in Kassel (lebt Juni 95 in Vellmar bei Kassel)

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1915-12-31 Roemhild, Hans Friedrich Heinrich

* 31. Dez. 1915 in Kassel

† 29. Juli 1975 in Kassel

1919-11-26 Hamecher, Horst Karl Konrad

* 26. Nov. 1919 in Kassel (lebt Juni 95 in Kassel)

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1920-01-21 Heicken, Karl Heinrich

* 21. Jan. 1920 in Kassel (lebt Juni 95 in Kassel)

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1921-04-22 Fronz, Minna (geb. Henning)

* 22. April 1921 in Kassel (Oberzweren) (lebt Juni 95 in Kassel)

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1927-07-09 Homburg, Ernst Herfried

* 9. Juli 1927 in Kassel (lebt Juni 95 in Ahnatal bei Kassel)

† 20. Nov. 2008 in Ahnatal

1935-08-17 Schoenewolf, Norbert Martin Adolf

* 17. Aug. 1935 in Kassel (Harleshausen) (lebt Juni 95 in Ahnatal bei Kassel)

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1941-12-26 Guth, Werner Karl Alois

* 26. Dez. 1941 in Kassel (lebt Juni 95 in Niedenstein-Kirchberg)

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